#opensourcepraying
 
In diesem Projekt erforsche ich die verschiedenen linguistischen Art und Weisen zu beten und affirmativ zu denken. Besondere Einsicht wird dabei dem Zwischenraum von Grenzen des dualen Denkens und der Globalisierung gegeben.
 
Der Mensch lebt die scheinbar globale Welt aus – sofern die Umstände des Geburtsortes dafür sorgen, dass das Individuum Teil dieser globalen Welt ist, und nicht der Welt, für die die Globalisierung einen absoluten Käfig der Abhängigkeit darstellt und somit eine Grenze, die sich nicht physisch, sondern sich viel tiefer, bis ins Herzen der Kultur und Werte, manifestiert und auswirkt. Unabhängig davon, welche Gegebenheiten dafür sorgen, dass sich ein Mensch "frei" fühlen kann in seinem Land, seiner Gesellschaft, seiner Erscheinung. So ist dieser immer wieder gelenkt, um in die Richtung der Vollkommenheit zu schreiten.
 
Durch die Evolution hindurch hat sich der Mensch immer mehr der Intellektualität hingewendet um seine Ziele auf noch raffiniertere und Energie sparenderen Weise zu erreichen und zu toppen.
 
Das menschliche Wesen, das genauso wie jedes andere Stück Natur, dem Darwin Effekt unterliegt, hat sich nach dem aufrechten Gehen und linguistischer Kommunikation immer weiter entwickelt.
 
Physische Werkzeuge wie Hammer, Pistole und Stift führten zu einer Verlängerung unserer Hände. Mittlerweile haben wir uns nicht nur praktisch-materiell weiter entwickelt, sondern mit dem digitalen Zeitalter konnte sich die Virtualität unseres Denkens über ein “mit-denkendes” Werkzeug – dem Computer – verlängern.
 
Durch das Bewusstsein, dass diese Kreationen von solchen Hand- und Kopf-Verlängerungen, durch unsere Spezies erfunden und entwickelt wurden, wird heutzutage zwischen etwas “natürlichem” und “künstlichem” unterschieden. Inwieweit, und ab wann der Mensch und seine Verlängerungen Teil der Mutter Erde, ist – und ab wann dieser Mensch sich selbst als “große Mutter” sieht, bringt viele Fragen und Feststellungen mit sich.
 
Eine der entstehenden Baustellen wirft das Thema eines Glaubens und der Geistlichkeit mit sich. Wie kommt es, dass so viele Menschen Gläubige einer bestimmten Glaubensrichtung oder Religion sind? Warum sind soviele Menschen neugierig darüber, was Priester, Erleuchtete, Helden der Geschichte, Stars, Gurus o.ä , schreib(t)en und erzähl(t)en?
 
Jeder Mensch erlebt, wie seine Intuition, ein Impuls, ein Bauchgefühl, eine innere Stimme, ihn mit einer Weisheit verbindet, die nicht durch Intellektualität erlernt werden kann.
 
Erst seitdem unsere Spezies zu Homo Sapiens wurde, fing der Mensch an, bewusst aus Dankbarkeit und Achtung vor der Natur, zu beten und anzubeten. Es gibt viele Meinungen über die etymologische Herkunft des Wortes “Religion”. Eine davon geht auf das lateinische Wort religare zurück, d.h. soviel wie (re=) wieder, zurück, nochmals (=ligare) binden. Relegere als Herkunft wäre auch eine Möglichkeit, das heißt soviel wie wieder, nochmals “bedenken”, “acht geben”, “lesen”.
 
Die Suche nach einem sich Zurück-Verbinden mit der Natur ist ein ständiger Ansporn des Menschen – früher wie heute – und äußert sich in verschiedensten Benehmen und Handlungen. Die Gewalt der Natur ist mächtiger als der Mensch selbst.
Durch das mentale Zurück-Verbinden mit dieser Natur, entsteht die Wahrnehmung, oder eventuell auch eine suggerierte Art von Bewusstsein, dass der Mensch wahrhaftiger Teil dieser Natur ist, ein Wohlbefinden für viele.

Auch entsteht dadurch die Wahrnehmung, dass das Individuum selbst sogar Teil dieser Macht der Natur ist, und vielleicht, und wenn es nur mental geschieht, dazu führt, in gewissem Maßen die Angst vor dieser unendlichen Macht in ein Gefühl der Dazugehörigkeit zu verwandeln.
 
Durch die Angst vor der Gewalt und Macht der Natur, wurde eine ganze Wirtschaft kreiert. Durch das genauere Erfassen der Psychologie und der emotionalen Schwächen des Menschen wuchsen manche Teile der Wirtschaft sogar, nicht zuletzt durch die Medien und die damit verbundene Suggestion von Konsum, in ein vollkommenes Florieren hinein.

Die Gesellschaft stellt fest, dass, trotz des Monotheismus, der eine “Gott” nicht der gleiche zu sein scheint wie der “Gott” des Nachbarn, selbst in ein und derselben Religion. Jemand andereres trägt den Glauben, dass es keinen “Gott” gibt. Aber welchen “Gott” meinen diese Gläubigen?
 
Den Gott, den die Menschen virtuell durch Worte und Gedanken erfunden haben, oder die ewige Unendlichkeit, die das Universum samt der schwarzen Löcher und Galaxien beherbergt, oder könnte auch der Darwin Effekt, eine Art Programmierung “Überleben und Ausbreiten um jeden Preis, auch wenn ich, Einheit, mich dadurch ändern und anpassen muss” gemeint sein?

Das alte Testament zum Beispiel, lässt sich, wenn unübersetzt, durchaus zu jeder der drei Beispiele interpretieren. Wenn man Weltreligionen und Glauben vergleicht, stellt man generell schnell fest, dass immer wieder versucht wird, dem Menschen helfen zu wollen, den Zugang zu einem Zustand von Harmonie, innerem Frieden und/oder Erleuchtung zu ermöglichen.
 
Durch die unvermeintliche Hilflosigkeit entstand natürlich auch ein fruchtbares Beet um Macht auszuüben – mit der Folge, dass Religion und Politik (und Wirtschaft) sich in einem Kreis von gegenseitigem Anspielen, Ausnutzen und sich Versöhnen-Wollen gelandet sind.

Schlussendlich ist das Wort “Gott” ein Nomen, dass genauso künstlich und transformierbar ist, wie alle anderen Worte des Lexikons, die erst existieren weil ein Mensch es interpretiert, anwendet, und durch die subjektive Anwendung formt; und im Laufe der Zeit wieder neu anpasst oder veraltet in neue Traditionen reindrückt.
 
Die Digitalität und das Heranwachsen der Autonomie von Computern führt dazu, dass sich Menschen auf immer wieder neue und andere Wege verbinden. Die digitalen Netzwerke kreieren eigene Kulturen mit eigene Glaubensmustern. Die intensive Mode zu Reisen minimiert manche physische Grenzen, im Gegenzug dazu entstehen neue auf einer anderen Ebene.

#opensourcepraying kreiert neue Vorschläge des Betens, nicht durch eine feste Struktur einer Religion, sondern in einem freien Anlass des Denkens zum Ertasten neuer Perspektiven und Ausdrucksmöglichkeiten der Dankbarkeit für diese Erde in dem heutigen Zeitalter.

Projekt Erscheinungen: #01 #02 #03 , ...
 
 

(Anina Rubin, 2017)
 
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